WebAR: Von der Idee bis zum fertigen Projekt

Im ersten Teil unserer Reihe "Behind the Tech" geht es um die verschiedenen Entstehungsphasen eines Web AR Projektes. Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie sich für eine AR Experience entscheiden? Und welche Überlegungen sollten vor dem Projektstart stehen?
Von:
José Burga
February 23, 2021
November 4, 2020

AR Experiences können die Customer Journey zu einem außergewöhnlichen Erlebnis machen. Aber wie genau entsteht dieser Effekt? Kaum jemand weiß, welche Arbeit hinter der Entstehung von Web AR steckt. In unserer Reihe “Behind the Tech” geben wir deshalb Einblicke in die Arbeit eines Web AR-Designers und zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Unternehmen nutzen können. 

In neue Dimensionen vorzustoßen und die Gesetze der Realität abzuändern, war immer schon ein Traum des Menschen. Zeitreisen, Ausflüge in phantastische Welten oder Reisen zu entfernten Planeten und Paralleluniversen – unzählige Science Fiction-Romane und -Filme basieren hierauf. 

Immersive digitale Technologien lassen diesen Traum ein Stück näher rücken. Allen voran erlauben Virtual Reality und Augmented Reality die unmittelbare Interaktion mit virtuellen Objekten und Räumen, bei der der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.

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Dass derartige Erlebnisse begeistern, zeigt sich besonders am Beispiel der Augmented Reality (Erweiterte Realität). Sie konnte sich in den vergangenen zwei Jahren wesentlich erfolgreicher im Marketing durchsetzen, als Virtual Reality. Deshalb haben auch große Marken und Unternehmen das Thema für sich entdeckt und nutzen es bereits für beeindruckende Marketing-Kampagnen. Aber was macht den Erfolg von AR aus? 

Augmented Reality mit Vorteilen in der Praxis 

Im Gegensatz zur Virtual Reality, in der ein Nutzer komplett im virtuellen Raum abtaucht und nichts mehr von seiner Umwelt wahrnimmt, erweitert die Augmented Reality die Realität lediglich um virtuelle Objekte. Im Alltag ist das in der Regel wesentlich praktikabler. Zumal bereits einfache Devices wie ein Smartphone genügen, um Augmented Reality Erfahrungen etwa über eine App oder den Besuch einer Website auf dem Handy zu ermöglichen. 

Hochauflösende Displays, starke Kameras, GPS Sensoren und vor allem leistungsstarke Prozessoren in den Phones kreieren perfekte Erfahrungen. Durch Web AR, also das Ansteuern einer Website im Browser, auf der eine AR-Experience gestartet wird, entfällt nun selbst die Installation einer App, um eine AR-Experience zu genießen.

Dass auf dem Browser neuerdings alles “wie von selbst” und flüssig läuft, hat aber auch damit zu tun, dass Tech-Giganten wie Google und Apple ihre mobilen Browserversionen speziell für Augmented Reality-Erfahrungen optimiert haben. Zudem veröffentlichten sie eigene Augmented Reality SDKs mit den Namen ARCore (Google) und ARKit (Apple). Bei “SDKs” handelt es sich um eine Art Werkzeugkasten für die Erstellung von AR-Experiences. Damit können Entwickler Augmented Reality Apps in sehr viel kürzerer Zeit entwickeln, da nicht jedes Projekt von Grund auf neu programmiert werden muss.

So starten Unternehmen ihr eigenes Web AR-Projekt

Aktuell verfügen allerdings nur wenige Unternehmen in Deutschland über eigene Inhouse-VR- bzw. -AR-Units, die mit Hilfe derartiger Baukästen oder vollkommen nativ selbstständig eigene Lösungen entwickeln können. In der Regel bleibt das den Spezialisten in Agenturen vorbehalten.

Damit Sie mit diesen auf Augenhöhe über Ihr Projekt diskutieren können, haben wir für Sie im Folgenden eine Roadmap zusammengestellt, die Ihnen bei der Entwicklung Ihres eigenen Web AR-Projekts behilflich sein kann. Sie zeigt Ihnen, welche Projektphasen für gewöhnlich zu erwarten sind, und gewährt Ihnen Einblicke in die Arbeit der Entwickler.

Die Vorarbeit: Von der Idee zum Konzept

Wie bei jedem anderen Kreativ-Projekt, steht auch bei Web AR-Experiences eine gute, tragfähige Idee an erster Stelle. Da die Gesetze der realen Welt in der virtuellen Realität nicht gelten, können Sie diese getrost beiseite schieben. Fliegen Sie in molekulare Strukturen, zeigen Sie gigantische Gebäude auf einer Visitenkarte in der dritten Dimension oder entwickeln Sie eine eigene Fantasiewelt rund um Ihre Marke.

Was immer Sie sich ausgedacht haben, wird durch das Entwickler-Team hinterfragt und auf seine Machbarkeit hin überprüft. Nicht zu kurz kommen sollte auch die konzeptionelle Einbindung: Denken Sie darüber nach, was Sie mit Ihrer Web AR-Experience überhaupt erreichen, welche Zielgruppe Sie ansprechen wollen und warum. Sobald Sie mit der Agentur ein finales Konzept erarbeitet haben, sollten Sie sich die Experience in einem möglichst detaillierten Storyboard nochmals vor Augen führen lassen. Dies minimiert das Risiko, dass der Flow der fertig entwickelten Story nicht Ihren Wünschen entspricht.


Realistisch vs. abstrakt

Vorab sollten Sie mit der Agentur auch unbedingt über den visuellen Stil der Experience sprechen. Wollen Sie einen sehr realistischen Look, weil Sie beispielsweise ein hoch technisches Produkt wie eine Industriemaschine erklären möchten? Oder soll Ihre Augmented Reality weniger detailliert und fast schon wie ein Comic daher kommen? 

Der Fachmann spricht in letzterem Fall übrigens von Low Poly, was sich auf eine niedrige Polygonzahl bezieht, also nur wenigen geometrischen Flächen, aus denen sich die 3D-Objekte zusammensetzen. Je detaillierter ein Objekt ist, aus desto mehr Polygonen besteht es. Was den Look angeht, haben Sie die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Stilen und Stimmungen. Auch hier gilt: Sie treffen die Entscheidung über Aussehen und Gesetze Ihrer Welt!

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Storyboard: Fallstricke umgehen, Kosten kontrollieren

Ihre fertige Experience wird in der Regel auf dem relativ kleinen Screen eines Smartphones zu sehen sein. Deshalb sollten Sie spätestens in der Storyboard-Phase definieren, welche Informationen tatsächlich wichtig sind und dazu beitragen, dass Ihre Experience ein Erfolg wird. Mögliche neuralgische Punkte sind erfahrungsgemäß etwa sehr kleine Schriftgrößen, die auf Objekten vom Nutzer nicht mehr entziffert werden können. Sie stören den Eindruck eher, als dass sie einen Mehrwert liefern, indem sie zwanghaft auch die letzte Botschaft oder Produktinformation kommunizieren. 

Aber auch kleine Objekte “verschwinden” gerne neben größeren Gegenständen, die man fullscreen oder nahezu fullscreen sieht. Verzichten Sie deshalb auf unnötige Details. Auch wenn in virtuellen Realitäten alle Möglichkeiten offen stehen, ist auch hier weniger manchmal mehr.


Worauf Marken vor Projektstart achten

Definieren Sie sehr genau, welche virtuellen Objekte Ihre Welt benötigt. Die Antwort auf diese Frage schlägt sich wesentlich auf die Kosten des Projekts nieder. Sind viele 3D-Objekte so generisch, dass sie die Agentur günstig in 3D-Webportalen, wie beispielsweise TurboSquid oder dem Unity Store, kaufen kann, oder müssen die Designer sie speziell für Ihre Anwendung modellieren? 

Beim Kauf ist zudem zu prüfen, ob die 3D-Assets “gameready” sind. “Gameready” bedeutet hier für die Nutzung im Web oder eben “Games” optimiert und sofort einsatzbereit. In der Regel sind derartige Assets weniger hochpolygoniert, sodass der Entwickler ihre Geometrie nicht mehr in einem Programm bearbeiten muss. Auch die Texturierung, also die optische Ausgestaltung der Oberfläche, ist meist bereits definiert, was ebenfalls Bearbeitungszeiten verringert.